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Patienten Behandlung Zahn- und Kieferregulierungen (Kieferorthopädie)

Apparaturen regulieren die Zähne

Zur Regulierung von Zahnfehlstellungen gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: herausnehmbare Geräte oder festsitzende. Beide haben Vor- und Nachteile: Festsitzende Geräte üben einen starken Druck auf die Zähne aus, und das rund um die Uhr. Dadurch führen sie rascher zum gewünschten Ergebnis. Bei starken Fehlstellungen, speziell im bleibenden Gebiss von Erwachsenen, sind sie das Mittel der Wahl. Auch kann man sie nicht verlieren oder vergessen. Nachteil ist, dass sie die Zahnpflege behindern – wenn über Monate hinweg unsaubere Stellen verbleiben, würde man sich korrekt stehende Zähne durch Kariesbefall erkaufen. Zudem können sie auch zu besonderen Anlässen nicht einfach mal herausgenommen werden. Und wenn sie, etwa durch Beißen auf harte Nahrungsteile, beschädigt werden, lassen sie sich nur im Mund reparieren.

Herausnehmbare Geräte dagegen wirken längst nicht so intensiv, daher dauert die Behandlung länger. Sie drücken oder ziehen nicht am Zahn, sondern wirken eher durch Reizen der Muskulatur und der Kieferknochen während der Entwicklung. Sie sind daher nur für Kinder und Jugendliche geeignet. Immerhin kann man sie zum Zähneputzen, Reinigen und bei besonderen Anlässen herausnehmen – freilich auch leicht verlieren oder beschädigen. Zudem beeinträchtigen sie die Aussprache. Manche Kinder tragen die Geräte daher ungern und nehmen sie bald wieder aus dem Mund, was den Behandlungserfolg gefährdet – eigentlich sollte man sie 12 bis 18 Stunden täglich wirken lassen. Meist hat man sich aber nach gut einer Woche an den Fremdkörper im Mund gewöhnt. Das ist wichtig: Bereits einige Tage ohne Geräte können die Arbeit von Monaten zunichte machen.

Grundsätzlich ist bei beiden Typen eine sehr gründliche Zahnpflege wichtig, auch bei den herausnehmbaren Geräten. Denn auch sie behindern den Speichelfluss und damit die Selbstreinigungs- und Heilungskräfte der Zähne. Außerdem müssen die Geräte regelmäßig unter fließendem warmem Wasser mit Zahnbürste und Zahnpasta gereinigt werden – mit der nötigen Vorsicht, damit nichts zerbricht oder verbiegt.

Herausnehmbare Geräte

Dazu zählen vor allem Aktive Platten und Aktivatoren. Sehr häufig empfiehlt der Kieferorthopäde eine aktive Platte. Das ist eine Platte aus Kunststoff, die Drähte und Schrauben trägt. Sie sitzt auf dem Ober- oder Unterkiefer und ist dabei mit Metallklammern am Restgebiss verankert. Speziell geformte Drähte drücken dabei gegen die zu verschiebenden Zähne. Der Druck ist mittels der Schrauben regulierbar – entweder der Zahnarzt stellt sie ein, oder der Patient nach Anleitung.

Es gibt auch Zahnspangen, die auf Ober- und Unterkiefer gleichzeitig wirken und Aktivatoren genannt werden. Sie liegen locker zwischen Ober- und Unterkiefer, aber stören ziemlich und werden daher vor allem nachts eingesetzt.

Headgear. Ziemlich lästig, aber sehr wirksam ist dieses Gerät, das sich außerhalb des Mundes abstützt und so Zug oder Druck auf Zähne ausübt. Es wird vor allem bei komplizierten Verschiebungen eingesetzt.

Invisalign. Ein erst wenige Jahre altes Verfahren einer kalifornischen Firma benutzt durchsichtige Plastikschienen. Sie müssen fast den ganzen Tag getragen werden, können aber leicht herausgenommen und gereinigt werden und fallen zudem wegen ihrer Durchsichtigkeit kaum auf. Das Verfahren braucht allerdings zahlreiche dieser Schienen, die jeweils speziell hergestellt werden. Zunächst wird per Computer der Ist-Zustand der Zahnstellung vermessen und zudem das gewünschte Endergebnis eingegeben. Der Computer rechnet nun zahlreiche Zwischenschritte aus. Für jeden Zwischenschritt wird eine spezielle Schiene angefertigt, die dann etwa 14 Tage lang zu tragen ist. Im Laufe von bis zu 15 Monaten drücken die Schienen die Zähne so in die gewünschte Position. Allerdings erfordert diese Methode eine intensive Zahnpflege, weil unter den Kunststoff kein Speichel dringt. Zudem ist sie nicht billig, eignet sich nur für bestimmte Arten von Fehlstellungen und wird von den Krankenkassen nicht bezuschusst.

Festsitzende Apparaturen

Sie nutzen Brackets (engl. Klammer), also kleine Befestigungselemente aus Edelstahl (mitunter auch Kunststoff oder Keramik), die auf die Zähne geklebt werden. An diesen Brackets werden Drähte oder Druck- und Zugfedern befestigt, die sie nun im Laufe der Monate in die gewünschte Position ziehen oder schieben. Alle paar Wochen reguliert sie der Kieferorthopäde nach.

Normalerweise befestigt man diese Brackets außen an den Zähnen. Dort sind sie natürlich deutlich sichtbar; allerdings gelten solche Zahngeräte bei manchen Jugendlichen als angesagt.

Man kann die Brackets aber auch als sogenannte Lingualbrackets an den Innenseiten der Zähne befestigen. Hier sind sie von außen fast unsichtbar, was mancher Erwachsene bevorzugt. Allerdings ist dieses Verfahren deutlich teurer, außerdem stören die Brackets und ihre Drahtbrücken beim Sprechen, weil die Zunge anstößt und dadurch mitunter sogar mit der Zeit etwas schmerzt. Und sie sind noch schlechter zu reinigen als außen liegende Brackets, weil man sie nicht sieht.

Unangenehm nur in den ersten Tagen. Brackets sind gewöhnungsbedürftig. Vor allem in den ersten Tagen empfindet man sie als störenden Fremdkörper im Mund, zumal beim Sprechen und Essen. Auch können die Zähne anfangs mit leichten Schmerzen auf den Druck reagieren.

Brackets und ihre Drahtverbindungen erzeugen zahlreiche kleine Stellen im Mund, die die Zahnbürste schlecht erreicht und wo sich meist erstaunlich rasch Plaque bildet. Denn in den Brackets und an den Drähten bleiben gern Speiseresten hängen oder kleben. Außerdem schränken sie die Selbstreinigung der Zähne ein. Daher ist hier eine sehr sorgfältige und gründliche Zahnreinigung unumgänglich, in gewissen Abständen auch in der Zahnarztpraxis. Ansonsten muss man mit Karies rechnen. Auch beim Abbeißen ist Vorsicht nötig: Harte Nahrungsmittel, etwa Äpfel, oder stark klebende Bonbons können die Brackets von den Zähnen lösen.

 


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