Schmerzen im Zahnbereich oder überhaupt in der Mundhöhle sind immer ein Alarmsignal – besonders dann, wenn sie stärker werden oder andauern.
Es gibt verschiedene Stellen, die schmerzen können. Sie unterscheiden sich durch die Art und den Auslöser des Schmerzes.
Leichte, nur gelegentliche Zahnschmerzen...
...darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. In der Regel schmerzen Zähne nicht ohne Grund. Es könnte zum Beispiel sein, dass sich eine kleine Karies gebildet hat, eventuell auch in einem überkronten oder gefüllten Zahn. In der Folge kann der Zahn eventuell empfindlich auf Süßes oder heiße Getränke reagieren. Auch wenn der Schmerz vielleicht wieder verschwindet, sollten Sie dennoch unbedingt einen Zahnarzt konsultieren. Unbehandelt setzen die Kariesbakterien ihr Zerstörungswerk fort, unterminieren immer größere Teile des Zahns – und die Schmerzen kehren mit erhöhter Intensität wieder.
Der typische, länger andauernde Zahnschmerz...
...kommt aus dem Zahninnern, wo der Zahnnerv verläuft. Normalerweise liegt er dort gut geschützt – Schmerzen bedeuten also, dass dieser Schutz aufgebrochen ist. Häufige Ursache ist Karies (Zahnfäule). In diesem Fall haben sich Säuren durch den Zahnschmelz und das darunter liegende Zahnbein hindurch gefressen. Möglicherweise hat sich auch ein Spalt zwischen Füllung und Zahnsubstanz gebildet, der Bakterien einen Weg ins Zahninnere öffnet. Jedenfalls sind Bakterien eingedrungen und haben das Zahnmark (Pulpa) gereizt.
Wird der Zahnschmerz eher als „pochend“ empfunden, könnte die Pulpa sogar entzündet sein. Oder es sind Bakterien bis zur Zahnwurzel vorgedrungen und haben hier Entzündungen verursacht.
Auf jeden Fall sollten Sie baldmöglichst den Zahnarzt aufsuchen! Andernfalls breitet sich die Karies weiter aus und immer größere Teile des Zahns werden zerstört, bis er nicht mehr zu reparieren ist.
Abszess – die „dicke Backe“
Eine geschwollene Backe ist ein deutliches Alarmsignal. Meist pocht unten im Zahn ein starker Schmerz, die Lymphknoten sind angeschwollen und die Körpertemperatur kann sich erhöhen. In diesem Stadium tobt unten an der Zahnwurzel schon ein heftiger Kampf zwischen den eingedrungenen Bakterien und den Abwehrkräften des Körpers. Oft bildet sich dabei an der Wurzel ein Eitersäckchen, ein Granulom.
Wärme fördert diese Entzündung, daher treten solche Schmerzen oft nachts auf, unterstützt durchs warme Kopfkissen. Kühlung der Wange, etwa mit Eiswürfeln in einem Handtuch, schafft nur vorübergehend Linderung. Ein rascher Zahnarztbesuch ist unumgänglich, spätestens am nächsten Tag. Denn sonst breitet sich die Entzündung immer weiter aus und frisst sich in den Kieferknochen hinein. Noch schlimmer: Die Bakterien können sich mit dem Blutstrom auch in andere Teile des Körpers ausbreiten und weitere Organe angreifen, etwa das Herz.
Ein eher ziehender Schmerz...
...wenn Sie etwas Süßes essen, Kaltes oder Warmes trinken – das könnte auf freiliegende Zahnhälse hindeuten, besonders bei Menschen in fortgeschrittenem Alter. Bei ihren Zähnen hat sich (meist durch Kauüberlastung durch Knirschen/Pressen oder nach ein PA-Operation) das Zahnfleisch zurückgezogen und hüllt die Zahnwurzel nicht mehr vollständig ein. Die Zahnhälse aber besitzen feine Durchtrittsöffnungen, in denen empfindliche Zellfortsätze liegen – sie reagieren auf solche Reize. Auch hier sollte ein Zahnarztbesuch auf dem Programm stehen, damit die Sache abgeklärt wird. Eventuell empfiehlt der Zahnarzt eine Spezialzahnpasta für sensible Zähne, die deren Empfindlichkeit mit der Zeit dämpft.
Rote Fäden beim Zähneputzen
Nicht nur die Zähne können schmerzen, auch das Zahnfleisch macht bisweilen Probleme. Mangelhaftes Zähneputzen führt oft dazu, dass sich Zahnstein bildet, dessen Bakterienflora das Zahnfleisch reizt und entzündet. Es rötet sich dann, schwillt an, blutet meist beim Zähneputzen – aber es muss nicht unbedingt schmerzen. Trotzdem sind rote Blutfäden nach dem Zähneputzen ein Zeichen für Zahnfleischprobleme, und auch hier sollte ein Zahnarzt nachschauen. Tut man nämlich nichts, schreitet die Entzündung immer weiter fort in die Tiefe, zur Zahnwurzel – und das erzeugt nicht nur starke Schmerzen, sondern gefährdet auch den Zahn selbst.
Wenn man allerdings nur auf etwas Spitzes gebissen hat und das Zahnfleisch dadurch verletzt, ist der Schaden meist nach wenigen Tagen wieder behoben.
Schmerzen nur beim Zubeißen
Beschwerden, die nur beim Zubeißen auftreten, können ganz verschiedene Ursachen haben wie beispielsweise Kauüberlastung oder Wurzelentzündung. Oder es hat sich tief im Kiefer ein Entzündungsherd gebildet. Bei Trägern von Zahnersatz kann es auch sein, dass zum Beispiel eine Brücke oder die Prothese nicht mehr richtig sitzt. Solche Schmerzen sind schwer zu orten – sie strahlen über Teile der Wange aus, mitunter bis zum Ohr. Eventuell könnte auch im Kiefergelenk und in der Kaumuskulatur ein Problem aufgetreten sein. Unbedingt beim Zahnarzt abklären lassen!
Neue Zähne im Anmarsch?
Natürlich können auch Kinder schon Karies oder andere Probleme mit den Zähnen haben. Bei ihnen gibt es allerdings noch eine andere mögliche Ursache: das Durchbrechen eines neuen Zahns. Auch dies ist manchmal recht schmerzhaft. Ähnliche Probleme haben junge Erwachsene bisweilen mit ihren Weisheitszähnen, den hintersten Backenzähnen. Wenn sie erst mit etwa 20 Jahren durchbrechen, finden sie oft nicht mehr genug Platz im Kiefer und erzeugen Druckschmerzen. Manchmal schieben sie sich auch nur zum Teil heraus; das kann dann zur Entzündung des umgebenden Zahnfleisches führen. Weisheitszahnprobleme sind allemal ein dringender Grund für den Zahnarztbesuch.
Schmerzmittel – die lindernden Tabletten
Irgendwie haben es Zahnschmerzen an sich, dass sie gerne am Abend oder am Wochenende auftreten. Bei starken Schmerzen kann man natürlich den zahnärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen. Ist der Schmerz noch einigermaßen erträglich, kann man den Zahnarztbesuch für den nächsten Arbeitstag einplanen – Schmerzpatienten werden auch ohne Termin behandelt – und behilft sich bis dahin eventuell mit schmerzlindernden Mitteln.
Ein altes Hausmittel gegen Zahnschmerz sind Gewürznelken. Man kaut sie vorsichtig, so dass sie ihre Inhaltsstoffe freisetzen – diese Stoffe lindern die Schmerzen und wirken zudem entzündungshemmend. Auch Eisbeutel oder feuchtkalte Tücher auf der Wange helfen gegen Beschwerden.
Gegen stärkere Schmerzen und als Einschlafhilfe können Sie natürlich auch auf Schmerztabletten zurückgreifen. Üblich und in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind zum Beispiel Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Ibuprofen oder Paracetamol. Besonders Menschen mit empfindlichem Magen sollten sie in Form von Brausetabletten einnehmen. Welche Dosis für Sie oder Ihr Kind die richtige ist und welche Gegenanzeigen Sie beachten sollten, erfahren Sie aus dem Beipackzettel. Auf keinen Fall sollten Sie Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat über längere Zeit einnehmen.
Falls Sie keine entsprechenden Medikamente im Haus haben – in der Zeitung und an jeder Apotheke ist nachzulesen, welche Apotheke gerade Notdienst hat.
Auch nach Schmerzlinderung zum Zahnarzt!
Übrigens: Auch wenn die Schmerzen am nächsten Tag nachgelassen haben, sollten Sie bald den Zahnarzt aufsuchen. Zähne und Zahnfleisch schmerzen nicht ohne Grund! Vergessen Sie nicht, den Zahnarzt über das eingenommene Schmerzmittel zu informieren. Manche dieser Stoffe haben nämlich Nebenwirkungen: So verdünnt zum Beispiel ASS das Blut. Es gerinnt dann nicht so gut, und Wunden schließen sich weniger rasch. Daher sollte man ASS vor Zahn-Operationen möglichst meiden.