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Patienten Behandlung Zahnerhaltende Maßnahmen

Füllungsmaterialien

Die Ansprüche an Füllungen und damit Füllmaterialien sind sehr hoch. Die Natur hat mit dem Zahnschmelz und dem natürlichen Zahnaufbau die Messlatte sehr hoch gesetzt. Eine Füllung muss vor allem dem immensen Kaudruck standhalten. Die Kaumuskeln im Kiefer drücken die Schneidezähne mit einer Kraft zusammen, die einem Gewicht von 20 Kilogramm entspricht! Weiterhin muss das Füllmaterial dem chemischen Angriff von Nahrungsmittelbestandteilen (etwa Säuren), Speichel und Bakterien jahrelang widerstehen, ohne etwa giftige Inhaltsstoffe freizusetzen. Es darf nicht zu weich sein, sonst nutzt es sich beim Kauen rasch ab. Es soll sich gut an die Unebenheiten der Höhlung anschmiegen und möglichst nicht schrumpfen. Und höchst erwünscht ist, zumindest für den Einsatz im Frontzahnbereich, dass es die natürliche Zahnfarbe besitzt.

Amalgam

Dieses älteste Füllungsmaterial ist eine Mischung aus etwa 50 Prozent flüssigem Quecksilbermetall, Silber, Zinn und Kupfer. Sie ist in den ersten Minuten nach dem Mischen zähflüssig, wird dann aber fest.

Weil Amalgam gut Wärme und Kälte leitet und daher jeden entsprechenden Reiz unverzüglich an den Zahnnerv weitergeben würde, bringt der Zahnarzt bei einer Versorgung mit Amalgam zunächst eine schützende und isolierende Unterfüllung in die vorbereitete Höhlung ein. Dann füllt er mehrmals hintereinander kleine Portionen Amalgam ein und knetet (verdichtet) es kräftig mit speziellen Instrumenten, damit es sich gut den Unebenheiten der Höhlung anpasst und keinen Randspalt lässt. Zum Schluss formt er die Oberfläche so, dass sie einer natürlichen Zahnoberfläche mit ihren Kauflächen ähnelt.

Ist die Höhlung so groß, dass das Amalgam seitlich austreten kann, umgibt der Zahnarzt den Zahn mit einer Matrize, bevor er die Füllung aufbaut. Das bedeutet: Er legt ein biegsames Metallband um den Zahn herum, um das Amalgam einzuschließen – so wird es beim Verdichten nicht heraus gedrückt.

Es dauert etwa zwei Stunden, bis das Amalgam belastbar ist. Daher darf man im Anschluss an die Behandlung so lange nichts essen oder trinken. Nach einigen Tagen, beim nächsten Besuch, poliert der Zahnarzt das Amalgam, so dass es hell glänzt. Der wichtigste Grund für das Polieren ist jedoch, dass sich Bakterien an einer glatten Fläche weit schlechter festsetzen als an einer rauen.

Ist Amalgam ungesund? Amalgam ist ein seit etwa 150 Jahren bewährtes Füllungsmaterial. Dennoch ist vielen Menschen der Gedanke unangenehm, Quecksilber im Mund zu haben. Denn immerhin sind Quecksilberdämpfe, die aus dem flüssigen Metall aufsteigen, hochgiftig; sie schädigen etwa Nerven und Nieren. So mancher Patient kommt daher mit dem Wunsch in die Zahnarztpraxis, alle noch vorhandenen Amalgamfüllungen durch andere Materialien zu ersetzen.

Doch die Experten sind sich einig: Außer in den seltenen Fällen einer Quecksilberallergie sind keine Schädigungen durch Amalgamfüllungen bekannt – trotz zahlreicher kritischer Untersuchungen. Nur Menschen mit bestehenden Nierenkrankheiten, Kindern unter sechs Jahren und Schwangeren rät man von Amalgam ab – eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Im frischen Zustand und beim Herausbohren einer Amalgam-Füllung werden geringe Mengen Dämpfe frei. Dadurch kann es zu geringfügigen Mengensteigerungen im Blut und anderen Körperflüssigkeiten kommen, dies aber weit unter der Gefährdungsmarke.

Manche Ärzte bieten das „Ausleiten“ oder „Mobilisieren“ von Quecksilber aus dem Körper an. Das geschieht mit bestimmten Chemikalien (Chelatbildnern), die Quecksilberatome in ihrem Molekül binden und dann aus dem Körper spülen. Diese Methode ist aber keineswegs unumstritten. Zwar entfernt sie tatsächlich einen Teil des Quecksilbers, aber gleichzeitig viele andere Metallatome – und manche davon sind lebenswichtig für den Körper. Zudem erreichen die Chelatbildner gerade nicht das Hirn, in dem sich Quecksilber gern ablagert.

Auch andere Materialien haben Nachteile. Auch die anderen Füllungsmaterialien haben Nachteile und eventuell gesundheitliche Nebenwirkungen. Bei den beiden beliebten Komposit-Kunststoff-Füllungen etwa, die etwas teurer sind, weiß man noch nicht, was ihre Bestandteile auf Dauer im Körper bewirken können. Als Kunststoffe setzen sie eine Fülle von chemischen Stoffen frei, wenn auch in kleinsten Mengen. Auch Gold ist als Inlay legiert (vermischt) mit anderen Metallen wie Platin, Silber oder Kupfer, die ihm erst die nötige Festigkeit geben, aber in geringsten Mengen in den Körper wandern.

Ständig kommen zudem neue Materialien auf den Markt. Naturgemäß gibt es mit ihnen noch keine Langzeit-Erfahrungen.

Komposit-Kunststoffe

Als „Komposit-Kunststoffe“ werden Mischungen aus hochfesten Kunststoffen mit anderen Materialien wie Glas-, Quarz oder Keramikpulver bezeichnet. Ihr Vorteil ist die zahnweiße Farbe. Sie werden daher besonders im Frontzahnbereich gegenüber Amalgam bevorzugt. Nachteilig ist ihre aufwendige Verarbeitung – die Höhlung muss zuverlässig trocken sein, es sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. Außerdem können Komposit-Kunststoffe beim Aushärten schrumpfen, so dass die Gefahr einer Randspaltbildung und in der Folge einer erneuten Einwanderung von Kariesbakterien besteht.

Vor dem Legen einer solchen Füllung wird der Zahnarzt zunächst die Innenflächen der vorbereiteten Höhlung mit Phosphorsäure anätzen, damit der Kunststoff nachher gut haftet, und sie dann sorgfältig spülen und trocknen. Im nächsten Schritt bringt er einen flüssigen Klebstoff (Bonding) ein und härtet ihn durch Bestrahlung mit blauem Licht aus. Dieser Klebstoff stellt die feste Verbindung zwischen Zahnmaterial und Füllung her.

Danach erst wird das Komposit-Füllungsmaterial in Form einer weichen Paste eingebracht und im Zahn mittels blauem Licht in den festen Kunststoff verwandelt. Der Zahnarzt appliziert jeweils nur eine kleine Menge in die Höhlung, härtet sie aus und wiederholt den Vorgang dann mehrfach. Dadurch wird der Schrumpfeffekt so klein wie möglich gehalten. Die jeweils nächste Schicht füllt dabei auch den Randspalt der vorigen. Nach und nach entsteht so die Füllung aus zahlreichen Schichten. Schließlich schleift er die überstehenden Teile der Füllung ab und formt die Oberfläche entsprechend einer natürlichen Kaufläche. Und zum Schluss wird er die Oberfläche polieren, damit sie Bakterien möglichst wenig Halt bietet.

Glas-Ionomer-Zemente und Kompomere

Glas-Ionomer-Zemente sind Mischungen aus Kunststoffen und einem pulverisierten Glas. Sie haften direkt am Zahn und müssen nicht erst geklebt werden. Zudem geben sie Fluorid ab, härten dadurch die umgebende Zahnhartsubstanz und beugen Sekundärkaries vor. Allerdings lassen sie sich schlecht polieren und sind auch starken Kaubelastungen nicht gewachsen. Daher nutzt man sie nur für provisorische Füllungen, Unterfüllungen oder als Aufbaumaterialien, also um fehlende Zahnsubstanz unter Kronen zu ersetzen.

„Kompomere“ nennt man Mischungen aus Glas-Ionomer-Zementen und Kompositen. Sie sollen die Vorteile beider Gruppen vereinen, besitzen aber auch einige der Nachteile. Für langfristige Füllungen von Backenzähnen im Kaubereich sind sie nicht geeignet, aber man nutzt sie etwa für Füllungen an Milchzähnen und Reparaturen an Zahnhälsen. Ausgehärtet werden sie durch Bestrahlung mit blauem Licht.

Gold

Gold ist relativ teuer, hat aber im Mund auch bei starker Kaubeanspruchung eine ausgezeichnete Haltbarkeit. Zudem passt es sich der natürlichen Abnutzung der anderen Zähne an. Allergien kommen vor, sind aber äußerst selten. Wegen der auffälligen Farbe wird es aber nur im Seitenzahnbereich verwendet – im Frontzahnbereich greift man auf zahnfarbene Materialien zurück.

Anders als plastische Füllungen kann der Zahnarzt Gussfüllungen aus Gold nicht selbst herstellen – das macht der Zahntechniker. Der Zahnarzt wird nach Präparation des Zahns einen Abdruck machen, der die Form der Höhlung genau wiedergibt. Dazu dient eine zunächst plastische Masse, die nach einigen Minuten aushärtet. Anhand dieses Abdrucks gießt der Zahntechniker dann ein Goldinlay, das exakt in die Zahnhöhlung passt. Bis es fertig ist, bekommt der Zahn eine provisorische Füllung.

Bei der nächsten Behandlungssitzung prüft der Zahnarzt, ob das Inlay tatsächlich genau passt und schleift es notfalls etwas zurecht. Dann wird er es mit Zahnzement befestigen.

Keramik

Porzellanartige Keramikmaterialien gehören heute zu den beliebtesten Stoffen für Füllungen, zumal für Versorgungen im sichtbaren Bereich. Denn Keramik ist zahnfarben, sehr haltbar und gut verträglich. Allerdings ist die Herstellung aufwendig und teuer. Außerdem kommt es hier auf besonders gute Verarbeitung an, denn das Material ist so hart, dass es bei nicht korrektem Sitz den gegenüberstehenden Zahn schädigen kann.

Weil das Keramikmaterial nicht plastisch ist, muss die Keramikfüllung von einem Zahntechniker auf der Grundlage eines Abdrucks hergestellt werden. Der Zahnarzt fertigt also zunächst von der Höhlung einen Abdruck an, der deren Form genau wiedergibt. Dazu dient eine zunächst plastische Masse, die nach einigen Minuten aushärtet. Nach diesem Abdruck bildet der Zahntechniker dann im Lauf einiger Tage eine Keramikfüllung. Der Zahnarzt prüft, ob sie exakt passt, beschleift sie eventuell noch etwas und klebt sie dann mit Komposit-Kunststoff in die Zahnhöhlung ein. Dabei ist wichtig, dass der Zahn absolut trocken ist. In der Regel wird er daher während der Behandlung mit einem über die Mundhöhle gespannten Gummituch (Kofferdam) isoliert.

Kunststoff-Inlays

In der Regel werden Kunststoff-Füllungen schichtweise im Zahn aufgebaut. Man kann sie aber auch nach einer Abformung im Labor herstellen und dann einkleben. Solche Kunststoff-Inlays, meist aus Komposit-Kunststoff, sind günstiger als Keramik und wurden zeitweise empfohlen, zumal man auf diese Weise die Materialschrumpfung beim Erhärten und damit die Bildung eines Randspaltes weitgehend vermeidet.

Galvanotechnik

Ganz besonders verträgliche und exakte Inlays kann man heute mit der Galvanotechnik herstellen, bei der Edelmetall mithilfe des elektrischen Stroms aus einer Lösung abgeschieden wird. Bei der Herstellung eines Inlays wird zunächst auf den künstlich im Labor hergestellten Zahnstumpf eine dünne Goldschicht aufgebracht. Weil sich diese Schicht allen Unebenheiten exakt anpasst, wird sie sehr passgenau. Im nächsten Schritt löst man den Zahnstumpf auf, und das zurückbleibende Goldgerüst wird nun in einem speziellen Verfahren mit zahnfarbener Keramik beschichtet. Allerdings bleibt beim fertigen Inlay ein dünner Goldrand sichtbar. Das hat freilich zahnmedizinisch den Vorteil, dass man das weiche Gold eng an den Zahn anschmiegen kann und dadurch einen guten Lückenschluss gegen etwa eindringende Bakterien erreicht. Man kann mit dieser Methode außer Inlays auch Kronen und sogar kleinere Brücken anfertigen.

Keramik-Inlays ohne Abdruck

Normalerweise erfordert das Herstellen einer Inlay-Füllung mindestens zwei Behandlungssitzungen im Abstand einiger Tage, weil zunächst ein Abdruck angefertigt werden muss, nach dem dann ein Zahntechniker das Inlay herstellt.

Die moderne CEREC-Technik (CEramic REConstruction) kommt dagegen mit einer Sitzung aus. Dabei wird der Zahn nach der Präparation mit einer elektronischen Spezialkamera aufgenommen. Sie liefert ein exaktes räumliches Bild an einen Computer. Und der wiederum steuert nun eine Schleifmaschine, die anhand dieses Bildes aus einem Keramikblock eine passgenaue Füllung fräst, die dann in den Zahn eingeklebt wird. Alles zusammen dauert nur einige Stunden

 


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