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Patienten Nachrichten

Internet-Bewertungsportal: Wirbel um den "AOK-Arzt-Navigator"

Der geplante „AOK-Arzt-Navigator“ sorgt für Wirbel: Rund 24 Millionen AOK-Versicherte sollen damit Leistung und Service der niedergelassenen Ärzte im Internet benoten können. Gemeinsam mit dem Göttinger „Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen“ (AQUA) hat die AOK wenige Tage darauf „QISA“ vorgestellt, das laut AOK-Pressemitteilung „bundesweit erste umfassende System von Qualitätsindikatoren für Arztpraxen“ mit „über 100 systematisch ausgewählte und sorgfältig begründete Indikatoren zur Darstellung der Versorgungsqualität“.

Das Echo auf diese Ankündigung war groß, zumal wenige Tage zuvor Meldungen über steigende Zahlen von Beschwerden über Ärztefehlern durch die Medien gelaufen waren. Andere Kassen wie Barmer und Techniker zeigten ebenfalls Interesse. Auch Gesundheitspolitiker meldeten sich prompt zu Wort: „Wir glauben, dass generell mehr Transparenz und mehr Qualität der richtige Weg ist. Ein guter Arzt muss die Diskussion über Qualität nicht scheuen,“ zitiert „Spiegel online“ (SPON) eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD), lobte das Projekt als „Orientierungshilfe“. Und der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) befürwortete in der „Rheinischen Post“ Instrumentarien zur Erhöhung der Transparenz, forderte aber gleichzeitig, sie müssten „objektiv“ sein und dürften nicht zu einer „Skandalisierung im Gesundheitswesen“ führen.

„Denunziantentum auf höchstem Niveau“

Genau dies sehen viele Kritiker des Plans als Problem. Bewertungsportale seien extrem missbrauchsanfällig, warnte KZBV-Vorstandschef Jürgen Fedderwitz in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 12.6.09. "Da muss die AOK aufpassen, dass sie kein populistisches System mit Hitparadencharakter aufbaut." Über gute Medizin könne man nicht einfach abstimmen wie bei "Deutschland sucht den Superstar". Ähnliche Bedenken hatte Ärzte-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe geäußert: Es sei unseriös, anonyme Fragebögen als Grundlage für Rankings zu benutzen. Und der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert von der AOK, sie müsse die Eintragung „böswilliger oder manipulierter“ Bewertungen verhindern. Und die hessische FDP-Landtagsfraktion bezeichnete laut dem „Deutschen Depeschendienst“ den AOK-Plan als „Denunziantentum auf höchstem Niveau“.

Tatsächlich kamen die bereits bestehenden Mediziner-Bewertungsportale in einer Untersuchung der Universität Erlangen-Nürnberg eher schlecht weg. Keine der Plattformen „könne derzeit höheren Ansprüchen genügen“, und Qualitätskriterien würden „vollkommen vernachlässigt“, zitiert SPON am 15. Juni den Untersuchungsleiter Martin Emmert. Zweifel erregt auch ein Blick in die USA, wo es längst Dutzende solcher Ärzte-Bewertungsportale gibt. Manche davon, schreibt der „Heise-Newsticker“ am 14. Juni, arbeiten ohne jegliche Verifikation. Daher ließen viele Ärzte Formulare von ihren Patienten unterschreiben, worin diese auf eine Arztbewertung ausdrücklich verzichten. Begründung: Die Ärzte könnten sich nicht gegen ein Bewertungsportal wehren, ohne ihre Schweigepflicht zu verletzen.

Die AOK meint allerdings, diese Bedenken ausräumen zu können. Die Eingabe von Freitexten mit möglichen Verunglimpfungen solle nicht möglich sein, versicherte Graalmann am 18. Juni in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.

Dennoch kommt nun massive Kritik auch aus den eigenen Reihen. Die AOK Baden-Württemberg möchte, wie „Welt online“ am 19. Juni meldete, den „Ärzte-TÜV“ verhindern. Der Geschäftsführer der Bezirksdirektion Nordschwarzwald, Christian Kratzke, habe dem „Schwarzwälder Boten“ erklärt: „ Das wollen wir nicht und damit haben wir nichts zu tun.“ Ein solches Portal führte zu einer völlig unnötigen Belastung des Verhältnisses zwischen AOK und den Ärzten vor Ort“ und sei auch nie mit dem AOK-Landesverband abgestimmt worden. Der Bundesverband, so Kratzke, sei gar nicht befugt, in diese Richtung vorzupreschen, da dieser seit Einführung der Gesundheitsreform zum 1. Januar 2009 nicht mehr die Funktion eines klassischen Dachverbandes wahrnehme.

Im übrigen plant, wie der Nachrichtendienst „adp“ am 16. Juni meldete, der Verband zahnärztlicher Basisgruppen in Westfalen-Lippe als Antwort auf das AOK-Portal ein eigenes Bewertungsportal – für Krankenkassen. Es solle anhand von Umfragen in den Praxen erstellt werden und den Patienten aufzeigen, welche Krankenkassen trotz Gesundheitsfonds ein besseres Angebot für die Versicherten bereithielten.

(Quellen: Pressemitteilungen, KZV BW)

 



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