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TK-Chef Klusen: "Unser Gesundheitssystem ist ein Jobmotor"

Eine grundsätzlich andere Sichtweise auf unser Gesundheitssystem fordert der Chef der Techniker-Krankenkasse (TK) Norbert Klusen in einem Interview mit dem „Weser-Kurier“ vom 17.7.2009. Das System sei immer nur als Kostentreiber gesehen worden, aber nie die darin schlummernden globalen Chancen. „Es ist zum Vorbild in der Welt geworden. Die Amerikaner wollen heute von uns wissen, wie wir es schaffen, dass alle Menschen eine qualitativ hochwertige Versorgung haben. Wir haben nicht nur gute Leistungen zu exportieren, sondern das System selbst wäre ein Exportschlager.“

Zudem könnten laut Klusen in der Gesundheitsbranche viele krisenresistente Arbeitsplätze geschaffen werden. „Im Dienstleistungsbereich würden neue Produkte und Berufsbilder entstehen, etwa in der Pflege, bei der Patientenberatung, bei Tarif- und Ärztevergleichen oder bei Vorsorgeleistungen. Krankenhäuser müssten keine Betten und Personal abbauen, wenn sie es schaffen würden, mehr ausländische Patienten nach Deutschland zu locken. Die Medizintechnik hat hier einen Markt, in dem sie die Produkte, die sie dann exportiert, testen kann.“

Zudem sei die Gesundheitswirtschaft ein Jobmotor – über die jetzigen 4 Millionen Beschäftigten und 280 Milliarden Euro Jahresumsatz hinaus. „Wir haben es mit einer alternden Gesellschaft zu tun. Der medizinische Fortschritt weltweit ist enorm. Hier kann ganz viel von Deutschland aus gemacht werden. Denn die Unternehmen hier sind etwa in der Medizintechnik führend.“ Eine von der TK in Auftrag gegebene Studie habe ergeben, dass bis 2020 rund 640.000 neue Jobs ohnehin entstünden, bei „ein wenig freiheitlicher“ Gestaltung des Systems weitere 430.000.

Allerdings sieht er auch die zunehmenden finanziellen Probleme und erwartet weitere Fusionen unter den Kassen. Die Hälfte der rund 200 Kassen habe weniger als 100.000 Versicherte. Das sei zu wenig, um eigenständig zu bleiben. Besonders wichtig werde nun Marketing: „Durch den Fonds sind die Beitragssätze einheitlich geworden. Und deshalb muss jede Kasse jetzt darüber reden, was das Besondere an ihr ist und wo sie besonders gut ist. Deshalb steigen die Marketingaufwendungen ganz spürbar.“

Zudem forderte TK-Chef Klusen mehr Wettbewerb, für den die Regierung sorgen müsse. Die TK habe als größte Kasse Deutschlands einen Marktanteil von 10 Prozent. Doch die Ortskrankenkassen hätten in den Ländern zum Teil Marktanteile von über 50 Prozent. Das seien marktbeherrschende Stellungen. Dennoch würden die AOKen über den Strukturausgleich von den anderen Kassen mit Milliarden subventioniert. „Das System muss da gerechter werden. Ich bin dafür, dass das Kartellamt zuständig sein sollte. Außerdem muss die Umverteilung unter den Kassen zurückgeführt werden“, sagte er dem „Weser-Kurier“.

(Quelle: KZV BW)

 

 



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