Nachdem das Statistische Bundesamt kürzlich die neuesten Zahlen zur Einkommenssituation der Bundesbürger veröffentlicht hat, die die Ärzte auf den ersten Blick als Gewinner ausweisen, wird jetzt Kritik gegenüber den Ärzten laut. Wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber dem „Spiegel“ äußerte (Ausgabe vom 17. August), haben die Mediziner mit ihren Streiks im Frühjahr die Öffentlichkeit „auf jeden Fall“ getäuscht. Auch Jürgen Trittin (Grüne) sparte nicht mit Vorwürfen. Arbeitnehmer hätten über erhöhte Krankenkassenbeiträge die massiven Einkommenssteigerungen der niedergelassenen Ärzte finanzieren müssen, zitierte ihn die „Ärztezeitung“ am 14. August.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am 13. August berichtet, dass die Honorare der niedergelassenen Mediziner binnen fünf Jahren um fast 13 Prozent gewachsen seien – eine Aussage, die vom Ärztenachrichtendienst (änd) am gleichen Tag relativiert wurde: Eine genauere Analyse zeige, so änd, dass der Anteil der ärztlichen Einnahmen aus Kassenpraxis 2007 gegenüber 2003 deutlich zurückgegangen sei.
Der „Reinertrag“, mit dem die „Süddeutsche Zeitung“ arbeite und ihn dem „Bruttoverdienst“ gleichstelle, sei nicht der betriebswirtschaftliche Gewinn einer Praxis, zitiert der Online-Nachrichtendienst das Statistische Bundesamt. Denn darin seien zum Beispiel Aufwendungen für die Praxisübernahme sowie etwa Alters- und Krankenversicherung des Praxisinhabers und der Familienangehörigen nicht enthalten. Zu berücksichtigen sei ferner, dass nicht nur Kassenpraxen, sondern auch Privatpraxen in die Erhebung einbezogen worden seien.
Bei den Zahnarztpraxen, so der änd weiter, hätten sich die Einnahmen – anders als bei den Ärzten – nur unwesentlich geändert. Auch bei den Zahnärzten sei der Anteil aus vertragszahnärztlicher Tätigkeit gesunken, der Reinertrag allerdings auf durchschnittlich 126.000 Euro gestiegen. Der Nachrichtendienst berichtete von großen Unterschieden in den Einnahmegruppen. So seien Praxen mit bis zu 125.000 Euro Umsatz auf einen Reinertrag von 24.000 Euro gekommen. Praxen mit einem Umsatz zwischen 500.000 und einer Million Euro erwirtschafteten einen durchschnittlichen Reinertrag von 165.000 Euro. Praxen mit noch höherem Umsatz lagen durchschnittlich bei 220.000 Euro Reinertrag pro Praxisinhaber.
(Quelle: KZV BW)