Er ist Volkswirt, langjähriges FDP-Mitglied und laut FAZ ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung: Christian Weber (53), bis dato stellvertretender Vorsitzender des PKV-Verbandes, soll nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der neue Abteilungsleiter für Grundsatzfragen im Bundesgesundheitsministerium (BMG) werden. Wie die FAZ weiter berichtet, soll Weber künftig die geplante schrittweise Umstellung der beitragsfinanzierten Krankenversicherung auf Prämien mitentwickeln. Unterstützung soll er von der Unterabteilungsleiterin und Volkswirtin Birgit Naase erhalten. Auch für die frühere stellvertretende Vorsitzende einer gesetzlichen Krankenkasse ist die Ernennung ein Seitenwechsel.
„Das dürfte einen Aufschrei in der Opposition geben“, mutmaßte „Spiegel-online“ am 12. Januar unter der Überschrift „Rösler lässt Gesundheitsreform von Lobbyisten erarbeiten“. Dieser fiel bisher allerdings eher verhalten aus. Erwartungsgemäß meldete sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach zu Wort und konstatierte, die Personalentscheidung sei „an Dreistigkeit kaum zu überbieten“, während MdB Birgitt Bender von den Grünen argwöhnte, der Bock werde zum Gärtner gemacht.
Andere, die Weber vor allem wegen seines Sachverstandes schätzen, werten die Personalentscheidung positiv. Dass er als Lobbyist fungieren und sich für die Interessen der PKV stark machen könnte, hält zum Beispiel Namensvetter Roland Weber vom größten deutschen Krankenversicherer Debeka für abwegig: „Er wird sich schwer tun, etwas für die PKV zu tun, weil er sehr viel kritischer in dieser Position beäugt wird als jeder andere“, zitiert ihn die „Ärztezeitung“.
Christian Weber ist derzeit nicht nur Verbandsfunktionär, sondern auch Leiter des wissenschaftlichen Instituts der PKV. In der Vergangenheit war er für zwei Jahre beim wissenschaftlichen Institut der AOK tätig. Anfang der 90er Jahre gab er ein kurzes Gastspiel als gesundheitspolitischer Referent bei der FDP-Bundestagsfraktion. Weber gilt laut „Ärztezeitung“ als Befürworter der kapitalgedeckten Vorsorge und lehnt den Basistarif ab. Auf seiner Agenda als Abteilungsleiter im BMG wird ab 1. Februar die geplante schrittweise Umstellung der einkommensabhängigen Beiträge auf die Kopfpauschale stehen.
(Quelle: KZV BW)