Ein neues Kapitel in der unendlichen Geschichte der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) schrieben die Delegierten des Deutschen Ärztetags im Mai in Dresden. Während sich erste Presseberichte bereits mit dem „Aus für die eGK“ befassten – die Stimmberechtigten hatten gerade einen entsprechenden Antrag mehrheitlich verabschiedet –, waren im weiteren Verlauf eher moderate Töne zu hören.
„Keinesfalls“ sperre sich die deutsche Ärzteschaft gegen die Telematik, berichtete etwa die „Ärztezeitung“ am 17. Mai. Der Ärztetag habe die Einführung der Karte zwar nach harter und kontroverser Diskussion abgelehnt, aber – und das scheint der springende Punkt zu sein – nur „in der derzeitigen Form“. Dies lasse durchaus Handlungsoptionen offen. Die Antragsteller hätten, wie das Blatt schrieb, klipp und klar formuliert, welche Kriterien das eGK-Konzept erfüllen müsse, um mehrheitsfähig zu sein. Der entscheidende Punkt sei: Wer darf Zugriff auf die Karte haben?
Es müsse gewährleistet sein, so habe der Ärztetag gefordert, dass Daten gezielt versendet werden könnten, ohne in falsche Hände zu gelangen. Entsprechend sei das rein elektronische Abrufen von Daten als nicht legitim bezeichnet worden. Zum Forderungskatalog zählt außerdem, dass nur der Hausarzt, der Patient und der behandelnde Arzt in Praxis und Klinik Zugriff zur Karte haben sollen, nicht etwa Kostenträger. Auch auf Zentralservern hätten die Daten nichts verloren. Die Delegierten wandten sich außerdem „gegen die Verwandlung der Arztpraxen in Außenstellen der Krankenkassen durch Verlagerung des Versichertendatenmanagements in die Praxen“. In Zeiten drohenden Ärztemangels vor allem in ländlichen Regionen sei dieses Vorhaben kontraproduktiv.
Nach einer Befragung, die beim Ulmer Ärztetag vor zwei Jahren initiiert worden war, gehen neun von zehn Ärzten davon aus, dass Telematik und Telemedizin generell im Gesundheitswesen an Bedeutung gewinnen werden, berichtete die „Ärztezeitung“ weiter. Vier von fünf Klinikärzten sind von den Vorteilen der Telematik und Telemedizin überzeugt. Bei den Niedergelassenen sind es über 50 Prozent der Befragten. Etwa 66 Prozent der Ärzte sehen in den Notfalldaten den größten Nutzen. Die Befragung brachte aber auch starke Bedenken gegenüber der eGK zutage. Dass mit der Karte hohe Kosten auf sie zukommen, befürchten etwa über die Hälfte der Niedergelassenen. Sie zweifeln auch daran, dass der geforderte Datenschutz tatsächlich gewährleistet ist.
(Quelle: KZV BW)